14. Kammermusikfestival erstKlassik am Sarnersee

Samstag 26.06.2021
erstKlassik in ENGELBERG
Carmina Quartett

20 Uhr

Barocksaal

Kloster Engelberg

Tickets CHF 35

Studenten CHF 15

Es gibt noch Karten - Reservation unter

info@erstklassik.ch

041 660 91 18 (Di, Mi, Fr)

Tickets erhältlich an der Konzertkasse 19.30 Uhr

Carmina Q 2.jpg
KONZERTPROGRAMM

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Streichquartett a-Moll op. 13

Franz Schubert

Streichquartett G-Dur D. 887

CARMINA QUARTETT

Matthias Enderle . Violine

Agata Lazarczyk . Violine

Wendy Champney . Viola

Chiara Enderle Samatanga . Violoncello

Das 1984 in der Schweiz gegründete CARMINA QUARTETT blickt auf eine lebendige und preisgekrönte Karriere zurück: Von ersten Erfolgen an internationalen Wettbewerben (u.a. Gewinn des Premio Paolo Borciani im Jahr 1987) und prägenden Beziehungen zu Mentoren wie Sandor Végh und Nikolaus Harnoncourt führte der Weg zu einer regen internationalen Konzerttätigkeit mit Auftritten in bedeutenden Sälen wie der Wigmore Hall (London), dem Amsterdamer Concertgebouw, der Weill Recital Hall (New York), dem Sydney Opera House und der Suntory Hall (Tokyo). Für seine über 30 CD-Einspielungen erhielt das Quartett renommierte Auszeichnungen wie den Gramophone Award, den Diapason d’Or, den Choc du Monde de la Musique, den Preis der Deutschen Schallplatten-Kritik, eine Grammy-Nominierung sowie den Record Academy Award of Japan 2008. Das Quartett pflegt ausserdem das Zusammenspiel mit Musikern wie Wolfgang und Sabine Meyer, Hiroko Sakagami, Teo Gheorghiu, Rolf Lislevand und Thomas Grossenbacher.

 

Seit 2018 tritt das Quartett in neuer Besetzung auf: Neben Matthias Enderle(1. Geige) und Wendy Champney (Viola), zwei Gründungsmitgliedern des Quartetts, musizieren neu Agata Lazarczyk an der zweiten Geige und Chiara Enderle Samatanga am Cello.

Die 1992 in Krakau geborene Agata Lazarczyk absolvierte ihr Solistendiplom an der Zürcher Hochschule der Künste und ist als Solistin und Kammermusikerin europaweit aktiv. Zudem feierte sie viele Erfolge als Orchestermusikerin in Ensembles wie dem Verbier Festival Orchestra und Chamber Orchestra sowie dem Lucerne Festival Academy Orchestra und spielte von 2017-19 erste Violine im Opernhaus Zürich. Zurzeit ist sie stellvertretende Konzertmeisterin an der Oper St. Gallen.

Chiara Enderle Samatanga, ebenfalls 1992 geboren, ist die Tochter von Matthias Enderle und Wendy Champney und hat ihre Kindheit auf Konzertreisen mit dem Carmina Quartett verbracht. Seither hat sie beim Lutoslawski-Wettbewerb in Warschau und beim Pierre Fournier Award in London erste Preise gewonnen und sich als erfolgreiche Solistin etabliert, unter anderem mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Musikkollegium Winterthur, der Nationalphilharmonie Warschau, dem Münchner Kammerorchester, der Kammerphilharmonie Potsdam und dem Philharmonia Orchestra (London).

Die neue Besetzung des Carmina Quartetts vereint die langjährige Erfahrung der Gründungsmitglieder mit der Vitalität und dem Elan der Jugend. Aufbauend auf der reichen Tradition des Carmina Quartetts entsteht eine neue musikalische Blüte.

ZU DEN WERKEN

Felix Mendelssohn Bartholdy schuf sein zweites Streichquartett a-Moll op. 13 noch im Todesjahr von Beethoven 1827, im Alter von nur 18 Jahren. Tatsächlich darf dieses Quartett als ein Abschiedslied ohne Worte auf den Tod des grossen Meisters verstanden werden: Jeder der vier Sätze beschäftigt sich mit Beethoven, manchmal subtil und verkappt – nur für den ausgewiesenen Kenner hörbar –, manchmal aber auch ganz offensichtlich. Am deutlichsten ist dies im 2. Satz (Adagio non lento) spürbar, der nach einer lyrischen Einleitung das Thema aus Beethovens Andante aus der 7. Sinfonie nicht nur direkt zitiert, sondern es auch gleich mit einer Fuge kunstvoll hervorhebt und besonders würdigt. Die Zeitgenossen erkannten die Anspielung sofort – so berichtet Mendelssohn selbst von einem Pariser Konzert: „Im letzten Stücke zupfte mich mein Nachbar und sagte: ,Er hat das in einer seiner Sinfonien.‘ – ,Wer?‘ fragte ich etwas ängstlich. − ,Beethoven‘.“ Kaum zufällig scheint die Violine im Finale(!) die Rolle der Kontrabässen und des Baritons aus dem Finale der 9. Sinfonie zu übernehmen, wenn sie immer wieder rezitativisch äussert: „Oh Freunde, nicht diese Töne!“…  Doch mit seinem Opus 13 ehrt Mendelssohn nicht nur den Sinfoniker, sondern auch den Kammermusiker Beethoven: Neben den Bezügen zur 7. und 9. Sinfonie werden auch Beziehungen zum späten Streichquartett a-Moll op. 132 deutlich – nicht nur aufgrund der gleichen Tonart. So beginnen die Finalsätze – nach den Mendelssohn’schen instrumentalen Rezitativen – der beiden Werke quasi identisch. Und auch Beethovens dritte Hauptwerkgruppe wird mitaufgerufen: Die Klaviersonaten, genauer das Hauptthema aus der berühmten „Les Adieux“,gut hörbar in der Einleitung des 2. Satzes oder am Schluss des Quartetts − ein allerletztes Lebewohl auf den grossen Komponisten Beethoven...

Weniger spielerisch ist die Auseinandersetzung mit Beethoven in Franz Schuberts Streichquartett G-Dur D887. Auch dieses Werk entstand in Nähe zu Beethovens Tod, jedoch kurz davor, im Sommer 1826. Beethoven bzw. eins seiner späten Streichquartette, genauer das sperrige B-Dur-Quartetts op. 130 mit dem monumentalen (später herausgelösten) Fugenfinale, war der eigentliche Ansporn für Schuberts Komposition. Schubert hatte die Uraufführung miterlebt und war vom neuen Werk des grossen Vorbilds so überwältigt, dass er selbst zwei Monate gar nichts mehr zu komponieren vermochte. Der Befreiungsschlag aus dieser Schockstarre ist das eigene (und übrigens letzte) Streichquartett G-Dur, das schliesslich im Juni in nur elf Tagen komponiert wurde. Es ist das wohl extremste und sperrigste Werk Schuberts überhaupt. So erstaunt es auch nicht, dass es zu Lebzeiten des Komponisten weder gedruckt, noch komplett aufgeführt wurde. Einzig der Kopfsatz wurde – im Beisein des Komponisten – am 26. März 1827, also genau ein Jahr nach Beethovens Tod, in Wien gespielt. Der Blick auf das Innere des Werkes zeigt auf mehreren Ebenen die Beschäftigung mit Beethovens Spätwerk: Das Ausloten von Grenzen, die Zerfaserung der Form und der Motive und natürlich die Arbeit mit grössten Kontrasten. Lieblich-sangbare Melodien sucht man hier vergebens, vielmehr ist das G-Dur-Quartett durch eine einzige, sich durch alle Sätze hindurchziehende Idee charakterisierbar: Das Changieren zwischen G-Dur und g-Moll – die Auseinandersetzung mit Hell und Dunkel, Freude und Leid, Leben und Tod, die so oft untrennbar miteinander verknüpft sind und so manchen in Unruhe – immer wieder hörbar bei den zitternden Tremolopassagen der Streicher − versetzen.

 

(Teresa Cäcilia Ramming)

KRITIK Konzert Carmina Quartett vom 23. Juni