BRSO meets LSO
Dienstag 03.09.2019

19.30 Uhr

Aula Cher Sarnen

Tickets CHF 38

Studenten CHF 20

Festivalpass CHF 100

Vorverkauf online

oder info@erstklassik.ch,

T 041 660 91 18

Konzertkasse 19 Uhr

Musikalische Begegnung

Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks München (BRSO) und des Luzerner Sinfonieorchesters (LSO)

Der künstlerische Bezug zur Zentralschweiz ist uns ein wichtiges Anliegen. Zum zweiten Mal stehen Solisten des Luzerner Sinfonieorchesters (LSO) gemeinsam mit den erstKlassik-Musikern aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München auf der Bühne.

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Konzertprogramm

 

Henry Purcell

Chacony (arr. Britten) für Streichquartett

Benjamin Britten

Phantasy für Oboe und Streichtrio

Fanny Hensel-Mendelssohn

Klaviertrio d-Moll op. 11

Clara Schumann

Variationen op. 20 (Klavier solo)

Felix Mendelssohn Bartholdy

Streichquartett Nr. 6 f-Moll op. 80

Anja Röhn . Violine (LSO)

Julita Smoleń  . Violine  (BRSO)

Alice Weber . Viola  (BRSO)

Jonas Vischi . Violoncello (LSO)

Heiner Reich . Violoncello  (LSO)

Andrea Bischoff . Oboe  (LSO)

Benjamin Engeli . Klavier

ZU DEN WERKEN

Das Hauptmerkmal der englischen Streichermusik war die “sweet dissonance”. Süsse Dissonanz deshalb, weil sie, wie der Pfeil Amors, Schmerzen auslöst, die zugleich beglücken. Kein Stück könnte dies grandioser illustrieren als die Chacony für Streichquartett von Henry Purcell (arr. Britten). Ausgangspunkt der Komposition ist der Rhythmus der Ciaccona, eines ursprünglich aus Spanien bzw. Südamerika stammenden Tanzlieds im ¾-Takt zu Gitarrenbegleitung, dessen Bass in Dur stand und einen als aufreizend empfundenen Rhythmus hatte. Bis die Chaconne über Süditalien und Paris nach England kam, hatten sich schon etliche andere Elemente wie der vierstimmige Streichersatz, die Molltonart und der Bass der Passacaglia, die sich allmählich mit der Ciaccona vereinten, dazwischengeschoben.

 

Benjamin Britten war gerade 18 Jahre alt, als er im September 1932 mit der Komposition der Phantasy für Oboe und Streichtrio begann. In kluger Synthese verschmilzt Britten in seinem einsätzigen Werk die Prinzipien von Fantasie und Sonate. Die ruhige, aus der Stille wachsende Introduktion stellt das Hauptthema vor. Ein zweites Thema wird im anschliessenden, leidenschaftlichen Allegro giusto-Abschnitt präsentiert. Ein sanfter, fast pastoraler Abschnitt schliesst sich an, bevor die Oboe im höchsten Klangregister mit der Reprise des Alla marcia einsetzt. Eine zur Introduktion spiegelbildlich aufgebaute Coda, in der zuletzt nur noch das kaum vernehmbare Violoncello übrigbleibt, beschliesst das Werk.

 

Wenn Frauen in der Vergangenheit zur Feder griffen, wurde gerne abfällig von „Frauenzimmerarbeit“ gesprochen. So ist es nicht verwunderlich, dass man die Kompositionen von Fanny Hensel-Mendelssohn, der älteren Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, nur bei den hauseigenen Sonntagskonzerten der Mendelssohns in Berlin hören konnte. Fannys Ambitionen als Komponistin fanden in ihrer Familie nicht ungeteilte Zustimmung. Als sie im Jahre 1847 mit dem Klaviertrio d-Moll op. 11 ihr letztes grösseres Werk komponierte, war sie ihrer Schreibweise gegenüber selbst kritisch eingestellt. Dem heutigen Hörer erweist das Werk sich jedoch als kraftvoll und konsistent. Das weiträumige Hauptthema des Kopfsatzes, das Lied anstelle eines Scherzos und das rhapsodische Finale offenbaren eine eigenständige Komponistinnenpersönlichkeit mit entschieden expressiven Qualitäten.

 

Clara Schumann, bereits als Kind gefeierte Pianistin und Komponistin, stand in der ersten Hälfte ihres Lebens unter der Aufsicht von Männern. Zuerst kontrollierte ihr Vater Friedrich Wieck jegliche Aktivitäten, nach der Eheschliessung ging die Führung nahtlos in die Hände ihres Gatten Robert Schumann über. Beide Männer hielten sie an zu komponieren, urteilten über die Ergebnisse jedoch eher herablassend, so dass sie diese Einschätzung ebenfalls übernahm. Auf ihrer einzigartigen Stellung als erfolgreiche Konzertvirtuosin beharrte Clara jedoch stets. Auch mit acht Kindern und gegen den zeitweisen Widerstand ihres Mannes ging sie auf ausgedehnte Tourneen. Im Jahre 1853 komponierte Clara Schumann die Variationen op. 20 und schenkte sie Robert zum Geburtstag. Clara verwendete das Thema aus dem 4. Satz von Robert Schumanns Bunte Blätter op. 99, welches zuerst als Ganzes wiedergegeben wird, anschliessend in 7 Variationen erklingt.

 

Mit dem Streichquartett Nr. 6 f-Moll op. 80 schuf Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1847 sein letztes Werk. Als seine Schwester Fanny im Mai 1847 an einem Schlaganfall starb, war er zutiefst erschüttert. Nach anfänglicher Erschöpfung und Unfähigkeit zu komponieren, schrieb er im Sommer in Interlaken das f-Moll-Quartett. Dieses ist autobiografisch zu verstehen und wird als eine Art Requiem für seine geliebte Schwester gesehen. Das Werk stellt einen bis dahin einmalig weitreichenden Bruch mit den Formvorgaben des klassischen Streichquartetts dar. Der expressive und wuchtige Charakter des Werkes erstaunte das zeitgenössische Publikum aufs Äusserste, da Mendelssohns Kompositionen zuvor von grosser Innerlichkeit geprägt waren.

 

Linda Schumacher

Die weiteren Konzerte:

Lieder mit und

ohne Worte

5.9.2019, 19:30

Altes Gymnasium

Sarnen

Matinée

8.9.2019, 10:30

Altes Gymnasium

Sarnen

Engelberg

7.9.2019, 20:00

Barocksaal Kloster

Engelberg

erstKlassik-News

 12. Kammermusikfestival

«erstKlassik am Sarnersee» - Ladies first

Geschätzte Musikfreunde

 

Der 200. Geburtstag der grossen Pianistin und Komponistin Clara Schumann am 13.09.2019 gibt uns Anlass, in diesem Jahr berühmte Komponistinnen der Musikgeschichte in den Mittelpunkt unserer Konzerte zu stellen. Clara Schumann gehört zu den bedeutendsten Musikerinnen des 19. Jahrhunderts. Neben ihrer Tätigkeit als Pianistin und Komponistin wirkte sie auch als Herausgeberin der Werke ihres Mannes Robert Schumann. Wir werden Clara Schumann nicht nur in ihrer und in der Musik ihres Mannes begegnen sondern wir werden sie auch durch ihre Briefe näher kennenlernen. Es erklingen neben deren Kompositionen auch Werke befreundeter Zeitgenossen sowie Musik aus Frauenhand vom Mittelalter bis in unsere Zeit.

 

In der Hoffnung auf einen gnädigen Petrus starten wir das zwölfte Festival wiederum mit dem beliebten Wanderkonzert. Nach einem ersten Konzert mit Musik für Streichinstrumente im Flüeli Ranft wandern wir gemeinsam ins Bruder Klaus Museum in Sachseln. Dort erwartet uns ein Oboentrio mit dem berühmten Festivalgast Heinz Holliger. Im Anschluss sind alle Besucher zum Zusammensein mit den Musikern bei einem Apéro eingeladen.

 

Auch diesen Sommer dürfen wir uns auf ein gemeinsames Konzertprogramm mit Musikerinnen und Musikern des Luzerner Sinfonieorchesters freuen, die bereits vergangenes Jahr zusammen mit den erstKlassikern aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aus München begeistert haben. Den grossen englischen Komponisten Purcell und Britten setzen wir Musik von Felix Mendelssohn, seiner Schwester Fanny Hensel-Mendelssohn sowie Clara Schumann gegenüber. 

 

Ganz besonders freuen wir uns auf zwei weitere Gast-Künstlerinnen: Die Innerschweizer Schauspielerin Silvia Planzer wird aus Briefen von Clara Schumann lesen, während die Sopranistin Katja Stuber Lieder von Robert Schumann und Alma Mahler-Werfel singen wird. Eingebettet werden diese Werke in ein Instrumentalprogramm mit Kompositionen von Gustav Mahler und Johannes Brahms, der mit dem Ehepaar Schumann eng befreundet war.

 

Nach dem Konzert im Barocksaal des Klosters Engelberg mit Werken von Mozart, Brahms und Fanny Hensel-Mendelssohn folgt zum Ausklang unsere Sonntagsmatinée im Sarner Kollegi-Theater mit dem dem traditionellen Abschiedsapéro. 

 

Das Festival erwartet Sie mit einigen Highlights und einem spannenden Kammermusikprogramm -

wir freuen uns auf Sie!

Ihre

Marie-Lise Schüpbach &

Elisabeth Melcher-Arquint