Donnerstag 05.09.2019
Lieder mit und ohne Worte

Tickets CHF 38

Studenten CHF 20

oder info@erstklassik.ch

T 041 660 91 18

Konzertkasse 19 Uhr

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Konzertprogramm


 

Gustav Mahler

Klavierquartett a-Moll

Alma Mahler

Fünf Lieder für Sopran und Klavier

Clara Schumann

Drei Romanzen für Violine und Klavier

Robert Schumann

Sechs Lieder op. 107 für Sopran und Streichquartett (arr. Reimann)

Johannes Brahms

Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8

Lesung aus Briefen von Clara Schumann:

Silvia Planzer

 

Katja  Stuber . Sopran

Julita Smoleń  . Violine

David van Dijk . Violine

Benedict Hames . Viola

Samuel Lutzker . Violoncello

Benjamin Engeli . Klavier

Silvia Planzer . Lesung

ZU DEN WERKEN

Das Lied war im 19. Jahrhundert der Inbegriff romantischer Kunst: Die Vereinigung von Poesie und Musik – also zweier unterschiedlicher Künste – zu einem neuen Ganzen entsprach dem Ideal der romantischen Kunstästhetik. Eine andere typisch romantische Musikgattung war das instrumentale „Lied ohne Worte“. Darin wurden zwar nicht, wie im gesungenen Lied, Wort und Ton zu einem neuen Kunstwerk vereinigt, dafür regte – quasi als literarischer Ersatz – die Überschrift dieser Stücke (beispielsweise Romanze, Schlummerlied) die Phantasie des Spielers bzw. Hörers an, ohne aber dabei eine konkrete Handlung oder ‚Geschichte‘ transportieren zu müssen.

Wenn auch nicht explizit als „Lieder ohne Worte“ betitelt, gehört Clara Schumanns op. 22 dennoch zu dieser Gattung privat-intimer Kammermusik. Dass Clara Schumann als Klaviervirtuosin überhaupt für die Öffentlichkeit komponieren konnte, war in damaliger Zeit nicht selbstverständlich und ist der weitsichtigen Musikerziehung durch ihren Vater zu verdanken. Die Drei Romanzen für Violine und Klavier komponierte sie 1853 für den jungen und später so berühmten Geiger Joseph Joachim. Sein Violinspiel war laut Clara Schumann „genial, so nobel, so einfach und doch bis in’s Innerste ergreifend“. Typisch für diese Art von Instrumentalmusik ist ihr fragmentarischer Charakter. Beispielsweise beginnt das erste Stück wie eine Fortsetzung von etwas schon Vorangegangem; wie, als wenn ein unterbrochenes Gespräch fortgesetzt würde. Clara Schumann und Joachim haben diese Romanzen mehrmals gemeinsam im Konzert aufgeführt.

Robert Schumans Sechs Gesänge für eine Singstimme und Klavier op. 107 (hier in einer Bearbeitung für Gesang und Streichquartett) gehören zu seinem Spätwerk und wurden zwischen 1851 und 1852 komponiert. In ihnen wird die Gesangstimme nun neu ‚instrumentalisiert‘, das heisst, sie wird zum (unselbständigen) Bestandteil des Instrumentalsatzes, während um 1800 umgekehrt der Klavierpart ‚nur‘ die Funktion des Gesangbegleitens innehatte. Typisch für Schumanns Spätstil sind die Wechselwirkungen von scheinbar widersprüchlichen ästhetisch-philosophischen Kategorien wie banal – individuell, real – märchenhaft etc. Aufgrund dieses vermeintlich kunstästhetischen Mangels hatte sein Spätwerk in der Rezeption einen schweren Stand. Dabei übersah man, dass in ihm Schumann, gleich den weltanschaulichen Veränderungen der Zeit, eine neue Ästhetik umsetzte, die mit dem Begriff ‚postromantische Reflexionʻ bezeichnet werden kann.

Alma Mahler-Werfel komponierte die meisten ihrer Lieder noch vor der Ehe mit Gustav Mahler, da dieser nach der Heirat von Alma die Beendigung ihrer kompositorischen Tätigkeit verlangte – eine Problematik, die teilweise auch Fanny Hensel-Mendelssohn und Clara Schumann betreffen sollte. Gustav Mahler hatte Almas Lieder wahrscheinlich 1910  kennen gelernt und ermutigte sie, eine Auswahl daraus zu publizieren, so auch die in diesem Konzert erklingenden Fünf Lieder für Sopran und Klavier.

Den das Programm eröffnende Klavierquartettsatz in a-Moll komponierte Gustav Mahler vermutlich 1878. Dass das erst 1974 wiederentdeckte Stück uns überhaupt erhalten blieb, ist wohl einem Zufall zu verdanken, denn Mahler vernichtete all seine von ihm selbst als nicht vollgültig anerkannten Frühwerke. Der Satz ist eine ambitionierte Auseinandersetzung mit dem Formproblem des Sonatenhauptsatzes. Daraus entwickelte Mahler ein neues, auf einer eigenen Werkidee beruhenden, Formprinzip.

Johannes Brahms war mit den Schumanns befreundet und blieb sein Leben lang in Kontakt mit Clara. Bevor er seine 1. Sinfonie schrieb, komponierte er, abgesehen von zwei Serenaden für Orchester und einem Klavierkonzert, vor allem Musik für kleine Besetzung. Das Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8 (1854) ist ein Beispiel melodisch-kantabler Klangführung in der Instrumentalmusik. Selbst das Finale ist von liedartigen Themen geprägt. Ein oberflächlicher Kehraus als Schlusssatz wird damit verhindert und Brahms präsentiert gleichzeitig neue Wege, wie das romantische Ideal des Liedhaften in die Instrumentalmusik integriert werden kann.

 

Roman Dosch

Die weiteren Konzerte:

Engelberg

7.9.2019, 20:00

Barocksaal Kloster

Engelberg

Matinée

8.9.2019, 10:30

Altes Gymnasium

Sarnen

 

 

12. Kammermusikfestival

«erstKlassik am Sarnersee» - Ladies first

Geschätzte Musikfreunde

 

Der 200. Geburtstag der grossen Pianistin und Komponistin Clara Schumann am 13.09.2019 gibt uns Anlass, in diesem Jahr berühmte Komponistinnen der Musikgeschichte in den Mittelpunkt unserer Konzerte zu stellen. Clara Schumann gehört zu den bedeutendsten Musikerinnen des 19. Jahrhunderts. Neben ihrer Tätigkeit als Pianistin und Komponistin wirkte sie auch als Herausgeberin der Werke ihres Mannes Robert Schumann. Wir werden Clara Schumann nicht nur in ihrer und in der Musik ihres Mannes begegnen sondern wir werden sie auch durch ihre Briefe näher kennenlernen. Es erklingen neben deren Kompositionen auch Werke befreundeter Zeitgenossen sowie Musik aus Frauenhand vom Mittelalter bis in unsere Zeit.

 

In der Hoffnung auf einen gnädigen Petrus starten wir das zwölfte Festival wiederum mit dem beliebten Wanderkonzert. Nach einem ersten Konzert mit Musik für Streichinstrumente im Flüeli Ranft wandern wir gemeinsam ins Bruder Klaus Museum in Sachseln. Dort erwartet uns ein Oboentrio mit dem berühmten Festivalgast Heinz Holliger. Im Anschluss sind alle Besucher zum Zusammensein mit den Musikern bei einem Apéro eingeladen.

 

Auch diesen Sommer dürfen wir uns auf ein gemeinsames Konzertprogramm mit Musikerinnen und Musikern des Luzerner Sinfonieorchesters freuen, die bereits vergangenes Jahr zusammen mit den erstKlassikern aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aus München begeistert haben. Den grossen englischen Komponisten Purcell und Britten setzen wir Musik von Felix Mendelssohn, seiner Schwester Fanny Hensel-Mendelssohn sowie Clara Schumann gegenüber. 

 

Ganz besonders freuen wir uns auf zwei weitere Gast-Künstlerinnen: Die Innerschweizer Schauspielerin Silvia Planzer wird aus Briefen von Clara Schumann lesen, während die Sopranistin Katja Stuber Lieder von Robert Schumann und Alma Mahler-Werfel singen wird. Eingebettet werden diese Werke in ein Instrumentalprogramm mit Kompositionen von Gustav Mahler und Johannes Brahms, der mit dem Ehepaar Schumann eng befreundet war.

 

Nach dem Konzert im Barocksaal des Klosters Engelberg mit Werken von Mozart, Brahms und Fanny Hensel-Mendelssohn folgt zum Ausklang unsere Sonntagsmatinée im Sarner Kollegi-Theater mit dem dem traditionellen Abschiedsapéro. 

 

Das Festival erwartet Sie mit einigen Highlights und einem spannenden Kammermusikprogramm -

wir freuen uns auf Sie!

Ihre

Marie-Lise Schüpbach &

Elisabeth Melcher-Arquint