erstKlassik in
Samstag 07.09.2019
Engelberg

20 Uhr

Barocksaal

Kloster Engelberg

Tickets CHF 38

Studenten CHF 20

oder info@erstklassik.ch

T 041 660 91 18

Konzertkasse 19 Uhr

Konzertprogramm

Fanny Hensel-Mendelssohn

Streichquartett Es-Dur

Johannes Brahms

Streichquintett Nr. 1 F-Dur op. 88

Wolfgang Amadeus Mozart

Streichquintett Es-Dur KV 614

    

Julita Smoleń . Violine

David van Dijk . Violine

Benedict Hames . Viola

German Tcakulov . Viola

Katharina Jäckle . Violoncello

ZU DEN WERKEN

 

Ladies first:

Fanny Hensel-Mendelssohn hat dieselbe musikalische Begabung geerbt wie ihr jüngerer Bruder Felix. Den idealen Rahmen zur Erprobung ihres Talents vor Publikum bildeten die berühmten Sonntagskonzerte der Familie im hauseigenen Berliner Gartenpalais. Zwar wurden beide Geschwister gleichermassen gefördert und ausgebildet; eine öffentliche Karriere blieb Fanny – als Frau im

19. Jahrhundert – jedoch verwehrt. Von ihren ca. 400 (!) Kompositionen wurde bis auf wenige Lieder zu Lebzeiten nichts gedruckt: Ganz nach dem Grundsatz des Vaters, Musik dürfe „stets nur Zierde, niemals Grundbass“ im Leben einer Frau sein. Das Quartett Es-Dur, übrigens das einzige, zeugt von ihrer grossen Begeisterung für den späten Beethoven. Formal bleibt das Werk somit keineswegs den Regeln der Klassik treu: Vielmehr handelt es sich auf den ersten Blick um eine Abfolge romantischer Fantasiestücke. Ein zweiter Blick zeigt aber bereits im Kopfsatz einen inneren Zusammenhang: Die Suche nach der Tonika, die Suche nach dem Es-Dur. Dieses Motto zieht sich denn auch als roter Faden durch das ganze Werk. Wohl kaum ein Zufall, dass sowohl Beethoven als auch sein grosser Verehrer Felix Mendelssohn Bartholdy gleich je zwei Quartette in Es-Dur schrieben. Das Komponieren als Frau im Schatten des gefeierten Bruders – vielleicht für Fanny auch geschützter Rahmen, um unkonventionelle Lösungen in der Frage „was kommt nach Beethoven“ anzustreben?

 

Ein Schattendasein ganz anderer Art fristet das nächste Werk: Das Streichquintett Es-Dur KV 614 gehört – genauso zu Unrecht wie das Œuvre Fannys – zu den unbekannteren Schätzen der Musikgeschichte. Wir bleiben noch in Es-Dur, erweitern jedoch die Besetzung: W. A. Mozart war nur einer unter vielen, der der Ausgewogenheit des „à quattro“ eine fünfte Stimme hinzufügte. Das Werk – entstanden im Todesjahr 1791 – ist nicht nur das letzte seiner sechs Streichquintette, sondern Mozarts letztes Streichkammermusikwerk überhaupt. Mehrere Merkmale weisen den Hörer auf die Zugehörigkeit zum Spätwerk hin: Einerseits die Diskrepanz zwischen Heiterkeit und abgrundtiefer Melancholie, andererseits die Häufigkeit von Zitaten aus eigenen Vokalwerken: Das Andante, ein schlichter Liedsatz im Alla-Breve-Takt, zitiert beinahe wortwörtlich aus der Entführung aus dem Serail, und zwar die Melodie von Belmontes Arie „Wenn der Freude Thränen fließen“. Und das Schwanken zwischen heiterer Gelöstheit und melancholischem Abgrund wird nicht nur im Kopfsatz hörbar, sondern auch in den beiden letzten Sätzen. Diese sind ganz „Papa Haydn“ verpflichtet, wobei der Haydn’sche Scherzando-Charakter insbesondere im Finale durch Molleintrübungen und tiefsttraurige Vorhaltsdissonanzen in Frage gestellt wird.

Kammermusik und Melancholie: Hier darf ein Name nicht fehlen – Johannes Brahms. Wie so oft näherte er sich auch der Gattung Streichquintett zweifach: Das Streichquintett F-Dur op. 88 ist das erste der beiden Schwesterwerke. Und wie so oft komponiert Brahms während der Sommerfrische, dieses Mal in Bad Ischl. Die Brahms’sche Eintragung im Autograf, „im Frühling 1882“, führte zum Beinamen „Frühlingsquintett“. Dieser Beiname hat durchaus Berechtigung, immerhin gilt F-Dur als die Pastoral-Tonart schlechthin. Und selbst die grössten Brahms-Verächter kamen bei diesem Werk ins Schwärmen: So schrieb Hugo Wolf über den Kopfsatz: „Alles ist sonnig, (…) alles grünt und knospet, ja, man hört förmlich das Gras wachsen, – die Natur so geheimnisvoll, so feierlich still, so selig verklärt.“ Spätestens mit dem zweiten Satz gibt das Licht aber auch tiefste Furchen des Gebirges frei: Es zeigen sich Abgründe, die mehr als nur melancholisch anmuten. Mühe bereitete dem Publikum das Finale, das ziemlich abrupt auf das ruhevoll-leise Ende des Mittelsatzes folgt. Unruhige Achtelketten, in Fugenform durch die Stimmen gereicht, werden mehr und mehr überlagert und abgelöst durch punktierte Viertel, die zeitweise gar an einen gestampften Rhythmus in weinseliger Runde erinnern. Ausgelassenes Feiern der Frühlingsankunft?

 

Teresa Cäcilia Ramming

Schlusskonzert des Festivals 2019:

Matinée

8.9.2019, 10:30

Altes Gymnasium

Sarnen