Mittwoch
09.06.2021

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NoPhilBrass 
Blechbläserquintett
des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks
NoPhilBrass Strasse.jpg

NoPhilBrass

Martin Angerer . Trompete

Herbert Zimmermann . Trompete 

Carsten Duffin . Horn

Uwe Schrodi . Posaune 

Stefan Tischler . Tuba

Konzertprogramm

 

Werner Pirchner

Fine-Intrada aus „Do You Know Emperer Joe“

 

Giovanni Gabrieli

Canzon septimi toni Nr. 2 . Bearbeitung Hans Zellner

Victor Ewald

Quintett Nr. 3 Des-Dur (op. 7) - Allegro moderato - Intermezzo, Moderato - Andante - Vivo

 

Werner Pirchner

Die milde Jagd, Zwio für Posaune und Tuba aus „König-Hirsch-Duette“

Mit besten Wünschen für Horn aus „Feld-, Wald- und Wiesen-Soli“ Almweiss-Edelrausch für 2 Trompeten aus „andere Master-Zwios“

 

Leonard Bernstein

Ouvertüre aus Candide Bearb. Ed Hirschman

 

Leonard Bernstein

Dance Suite für Brass Quintett

Dancisca (for Antony) - Walz (for Agnes) - Bi-Tango (for Misha) -

Two-Step (for Mr. B.) - M T V (for Jerry)

 

Claude Debussy Golliwogg‘s cake walk Bearb. Bert Mayer

 

Astor Piazolla

Adios Nonino Bearb. Matthias Ambrosius

 

Marianito Mores

Cafetin de Buenos Aires Bearb. Enrique

 

Fats Waller

Ain‘t Misbehavin‘ Bearb. Lee Norris

 

Bearb. Ingo Luis

Dixie-Festival 

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NoPhilBrass

 

Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr ein Ensemble aus dem berühmten Münchner Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu Gast ist.

 

Die herausragende Qualität des Blechbläserquintetts «NoPhilBrass» basiert auf der internationalen Tätigkeit als Solisten, Dozenten und Kammermusiker aller fünf Musiker. Zahlreiche Konzerte führten das Ensemble quer durch Europa und nach Nordamerika, Japan und China. 

 

MARTIN ANGERER (Trompete) studierte in Graz, Salzburg und in Schweden. Der mehrfache Preisträger ist Mitglied verschiedener Ensembles. Als Solist spielte er u.a. bei den Salzburger und den Bregenzer Festspielen und an Tourneen in Europa, USA und Japan. 2007 wurde Martin Angerer Solo-Trompeter der Staatskapelle Berlin. Dieselbe Funktion hat er seit 2011 beim BRSO.

 

HERBERT ZIMMERMANN (Trompete) studierte im Tiroler Landeskonservatorium. Schon früh spielte er u.a. im Gustav Mahler Jugendorchester und später im Orchestra Mozart unter der Leitung von Claudio Abbado. Seit 2007 ist er festes Mitglied des BRSO.

 

CARSTEN DUFFIN (Horn) sammelte erste Orchestererfahrungen in renommierten Orchestern in Deutschland und im Mahler Chamber Orchestra, bevor er 2010 Solohornist beim BRSO wurde. Ausserdem spielt er seit 2010 im Sinfonieorchester der Bayreuther Festspiele.

 

UWE SCHRODI (Posaune) war Mitglied des Schleswig-Holstein-Musikfestivalorchesters, der Jungen Deutschen Philharmonie sowie des Gustav-Mahler-Jugendorchesters. Nach fünf Jahren als 1. Soloposaunist der Essener Philharmoniker wechselte er 1999 zum Münchner Rundfunkorchester. Seit 2005 ist er Posaunist im BRSO. Zudem ist er Professor für Posaune an der Hochschule für Musik Nürnberg.

 

STEFAN TISCHLER (Tuba) Nach dem Studium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar führte ein erstes Engagement zu den Essener Philharmonikern, später wechselte er an die Bayerische Staatsoper München, ist seit 2010 Solotubist des BRSO. Neben seiner Leidenschaft für die Blechbläserkammermusik tritt er regelmässig als Solist auf.

ZU DEN WERKEN

Kammermusikwerke für reines Blechbläserensemble sind rar gesät – auch ein Grund, wieso es so zahlreiche Bearbeitungen für diese Art des Musizierens „en famille“ gibt. Das heutige Programm bringt neben Originalkompositionen für Bläserquintett denn auch mehrere Arrangements: Resultat ist eine Reise durch fünf Jahrhundert Musik, die so ganz sinnbildlich für die Gattungsgeschichte ist. 

In Empfang genommen werden wir vom Österreicher Werner Pirchner und der Fine – Intrada aus seiner Suite Do you know Emperor Joe, die uns den Komponisten in seiner typischen Form zeigt: Hier werden die traditionellen Grenzen zwischen E- und U-Musik verwischt, Jazz und Improvisation werden zum Grundprinzip und nicht selten wird das Ganze noch mit einer guten Portion Humor gebrochen, was sich oft in den zum Nachdenken anregenden Titelgebungen widerspiegelt: So etwa im Zwio für Posaune und Tuba aus „König-Hirsch-Duette“, seinen „Feld-, Wald- und Wiesen-Soli oder Almweiss-Edelrausch − „andere Master-Zwios“, alle aus den frühen 1990er-Jahren.

 

Knapp 400 Jahre zuvor schuf der Venezianer Giovanni Gabrieli für die Basilica San Marco seine Sacrae Symphoniae, die mit der Architektur des wohl bekanntesten sakralen Baus engstens verwoben sind: Nach dem Prinzip der Mehrchörigkeit wurden hier die einzelnen Instrumentengruppen auf den verschiedenen Emporen stationiert, die durch abwechselndes Musizieren miteinander wetteiferten – übrigens die Geburtsstunde des späteren Solokonzerts („concertare“ = wetteifern). Titelgebend für die Canzon Septimi toni Nr. 2 aus den Sacrae Symphoniae war die Kirchentonart, so wurde die Canzon im 7. Ton, sprich in Mixolydisch, komponiert.

 

Victor Ewald holt uns nun ins St. Petersburg des frühen 20. Jahrhunderts: Im Gegensatz zu Gabrieli betrieb er Komposition nur als Hobby und gilt trotzdem als eigentlicher Erfinder des Blechbläserquintetts. Gut möglich, dass diese Gattung nicht entstanden wäre, wenn nicht Zar Alexander III. zu jener Zeit eine so grosse Liebe für Blechbläser gehegt hätte. Der Blick auf die Satzbezeichnungen zeigt, wie traditionell das Quintett Des-Dur op. 7 strukturiert ist: So beginnt es mit einem schnellen Allegro, das Intermezzo verweist auf die Linie Mendelssohn – Schumann – Brahms, gefolgt vom lyrischen Andante, in dem der typisch-träumerische Schmelz des Blechs so schön zur Geltung kommt, und endet schliesslich mit einem lebhafteren Vivo – durchsetzt mit träumerisch-versonnenen Rückblicken, harmonisch immer wieder auf die russischen Romantiker zurückverweisend.

Leonard Bernstein schuf 1989 in den USA mit seiner Dance-Suite für Blechbläserquintett sein letztes Werk überhaupt. Der Begriff „Suite“ als Abfolge von Balletttanzsätzen ist hier doppelt besetzt: Jeder der fünf Sätze ist anderen mit ihm befreundeten Choreograf:innen gewidmet. 30 Jahre früher entstand seine Operette Candide, an der zahlreiche Künstler und Künstlerinnen mitgearbeitet haben. Die Vielfalt schlägt sich auch musikalisch nieder: So wird in der Ouvertüre ein wahrer Musikkosmos hörbar – oft fühlt man sich an Strauss, Rossini, Tschaikowski, Gershwin oder auch mal an Brahms erinnert.

 

Nur ganz kurz winkt uns nun Claude Debussy aus Frankreich mit seinem Golliwog’s Cake Walk, dem letzten Stück aus seinem Children’s Corner für seine Tochter, zu: Und trotzdem bleiben wir auch hier auf dem amerikanischen Kontinent, ist das Stück doch ein typischer Ragtime, der aber auch den berühmten Wagnerschen Tristan-Akkord aufruft und ironisch mit dem Cakewalk, einem damaligen Modetanz, verbindet.

 

Und schon sind wir kurz in Lateinamerika und New York zugleich, wo sich Astor Piazzolla mit Adios Nonino in 1954 an seinen argentinischen Vater zurückerinnert – erst im zweiten Teil, nach einer improvisatorischen Einleitung, werden die für ihn so charakteristischen, mit Jazz-Harmonien angereicherten Tangoklänge hörbar.

 

Definitiv in Buenos Aires sind wir aber mit dem melancholischen Tango Cafetin de Buenos Aires von dem 2016 verstorbenen Marianito Mores. Die Reise durch die Musikgeschichte des Bläserquintetts endet gut gelaunt swingend − mit zwei wahren Hits aus dem Big Band-Repertoire: Ain’t Misbehavin und Dixie Festival.

 

(Teresa Cäcilia Ramming)
 

LUZ Kritik Konzert NoPhilBrass EK21 2021