Donnerstag 17.06.2021
Familienbande

Tickets CHF 35

Studenten CHF 15

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T 041 660 91 18 (Di/Mi/Fr)

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Der Sarner Hornist Florian Abächerli programmiert ein Konzert mit Familie und Freunden.

Florian Abächerli, Horn (Solohornist Luzerner Sinfonieorchester)

Fióna Kraege, Violine (Vanessa Szigeti ist leider krankheitshalber verhindert)

Joachim Müller-Crépon, Violoncello 

Benjamin Engeli, Klavier

Andreas Müller-Crépon, Moderation und Texte (Radio DRS2)

Konzertprogramm

 

Camille Saint-Saëns

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 op. 32

Robert Schumann

Adagio und Allegro für Horn und Klavier op. 70

Clara Schumann

Klaviertrio g-Moll op. 17 3. Satz

Robert Schumann

aus Kreisleriana für Klavier

Johannes Brahms

Horn Trio op. 40 

Texte

Andreas Müller-Crepon

FAMILIENBANDE

 

FLORIAN ABÄCHERLI aus Sarnen ist Solohornist im Luzerner Sinfonieorchester, im 21st Century Orchestra und Mitglied des Lucerne Festival Orchestra. Nach einer Ausbildung zum Helikoptermechaniker folgte das Hornstudium an der HSLU – Musik bei Lukas Christinat mit anschliessenden Studien an der Zürcher Hochschule der Künste bei Radovan Vlatković und Mischa Greull zum „Master in specialized Performance – Solist“. Zudem studierte er an der Scola Cantorum Basiliensis Naturhorn bei Thomas Müller. Der mehrfache Preisträger ist als gefragte Aushilfe oft auch im Tonhalle Orchester und mit diversen Kammermusikformationen zu hören.

 

FIÓNA KRAEGE (Violine) begann im Alter von fünf Jahren Geige zu spielen und trat mit neun Jahren in die Classes professionnelles des Konservatoriums Lausanne ein. 1998 erlangte sie das Lehrdiplom bei P. Amoyal. 2002 folgten das Konzertdiplom und Studien bei G. Stuller und T. Varga. Nach der Matura nahm sie 2003

ihr Studium in der Klasse von Professor Zakhar Bron in Zürich auf, bei dem sie 2006 das Konzertdiplom mit Auszeichnung und 2008 das Solistendiplom erhielt.

Ihr erstes Konzert als Solistin spielte Fióna im Alter von zehn Jahren. Seitdem tritt sie oft als Solistin und Kammermusikerin in der Schweiz und im Ausland auf. Von 2008 bis 2020 war sie zweite Konzert-meisterin des Berner Symphonieorchesters, seither spielt sie in der gleichen Position beim Luzerner Sinfonieorchester.

 

JOACHIM MÜLLER-CRÉPON studierte Violoncello bei Thomas Grossenbacher und Roel Dieltiens. Nach zwei Studienjahren an der University of Stellenbosch in Südafrika erlangte er 2016 das Solistendiplom mit Auszeichnung bei Thomas Demenga an der Hochschule für Musik in Basel. Engagements als Kammermusiker und Solist führten ins europäische Ausland, nach China, Kuba und Südafrika. Joachim Müller-Crépon ist Solo-Cellist im 21st Century Orchestra Luzern, unterrichtet eine Celloklasse am Konservatorium Bern und ist künstlerischer Leiter der Zunftkonzerte Zürich.

 

BENJAMIN ENGELI (Klavier) studierte u.a. bei Adrian Oetiker und Homero Francesch. Weltweit musiziert er mit Orchestern wie dem BRSO, dem Tschaikowsky-Sinfonieorchester 

Moskau oder dem Tonhalle Orchester Zürich. Daneben widmet er sich der Kammermusik und ist Dozent am Landeskonservatorium Feldkirch und an der Hochschule für Musik in Basel. 

 

Als Sprecher, Darsteller, Dramaturg und Autor hat ANDREAS MÜLLER-CREPON zahlreiche Projekte im Spannungsfeld von Musik und Sprache realisiert. Parallel dazu hat er journalistisch gearbeitet: Angefangen beim Lokalradio, später auch beim Klassiksender-Projekt «Opus Radio». Für SRF 2 Kultur (früher Schweizer Radio DRS2) ist er seit 1992 tätig, insbesondere war er Moderator der Jazz-Sendung „Apéro“, die mit dem Prix Walo ausgezeichnet wurde. Seit 2016 gehört er auch zum Team der SRF-Musikproduzenten. Regelmässig betreut er das samstägliche Musikmagazin und die Sendung „Late Night Jazz“, zudem realisiert er als Redaktor Beiträge für die Sendungen „Kontext“ und „Passage“. Daneben tritt er als freischaffender Moderator und Sprecher in Erscheinung.

ZU DEN WERKEN

Camille Saint-Saëns gehört zwar keineswegs zu den Banden des Dreiergespanns Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms – zur Familie der Kammermusikkomponisten des 19. Jahrhunderts gehört er aber allemal. Seine Cellosonate Nr. 1 entstand 1872. Die düstere Trauertonart c-Moll weist dabei auf den politisch-biografischen Entstehungshintergrund hin: Das Werk ist als Requiem auf seine im Deutsch-Französischen Krieg gefallenen Freunde zu verstehen. Am besten spürbar ist dies im Finale, Allegro moderato, einer unheimlich-düsteren Danse macabre voller Bedrohung, die dann auch ohne jegliche Hoffnung in c-Moll schliesst.

Auch die vier Werke des Ehepaar Schumanns und Johannes Brahms zeichnen sich durch familiäre oder freundschaftliche Beziehungen aus: So ist das im Februar 1849 entstandene Adagio und Allegro As-Dur von Robert Schumann seinem Freund, dem Hornisten Julius Schlitterau, quasi auf den Leib komponiert. Dieser war es auch, der das Werk aus dem Manuskript gemeinsam mit Clara Schumann dem Komponisten vorspielte. „Brillant“, so Roberts Urteil, und auch Clara war begeistert: „prächtig, frisch und leidenschaftlich“ sei dieses Kammermusikwerk für das moderne Ventilhorn. Das Adagio eröffnet „langsam, mit innigem Ausdruck“ den lyrischen Dialog zwischen Horn und Klavier und bereitet so auf das viel lebhaftere Allegro vor: Doch Schumann wäre nicht Schumann, wenn zu diesem „rasch und feurig“ vorzutragenden Triolenlauf nicht immer wieder Gegensätze in Form von versonnen-sinnierenden Abschnitte erklingen würden.

 

Drei Jahre früher komponierte Clara Schumann (nach einer Fehlgeburt?) auf Norderney ihr einziges Kammermusikwerk, das Klaviertrio op. 17, das schnell zu ihrem bekanntesten Werk überhaupt werden sollte. Ein Blick auf die Ausrufe des Erstaunens ihrer männlichen Kollegen verdeutlicht nicht nur den besonderen Erfolg, sondern leider auch die damalige permanente Unterschätzung der Leistung von komponierenden Frauen – so soll der Stargeiger Joseph Joachim zu Felix Mendelssohn Bartholdy gesagt haben, dass er es kaum glauben könne, dass „eine Frau so etwas komponieren könne, so ernst und tüchtig“. Gut möglich, dass auch dies Ansporn für Robert Schumann gewesen war, sich nun ebenfalls mit der Gattung zu beschäftigen…

 

Das wohl vielschichtigste Werk aus dieser Dreier- bzw. Viererkonstellation ist Kreisleriana op. 16 von 1838 – „da gibt’s einiges zu denken dabei“ sagte selbst der Komponist Robert Schumann darüber. Eine Spur legt er uns mit dem Titel, der auf die Figur des fiktiven Kapellmeisters Johannes Kreislers aus dem literarischen Werk von E. T. A. Hoffmann verweist. Der improvisatorische Charakter des Werkes scheint wie ein musikalischer Einblick in das sinnierende Innenleben des Komponisten. Aber auch ein biografischer Hintergrund scheint hier mitgespielt zu haben: So ist doch auch Schumanns Sehnsucht nach einer Verbindung mit Clara zu spüren, die zu der Zeit noch alles andere als sicher war. Und der junge Johannes Brahms sollte dann einige seiner frühen Kompositionen mit „Kreisler junior“ unterzeichnen…

Doch kehren wir zum Horn zurück und begegnen dem Vater des von Schumann verehrten Ventilhorns, gleichzeitig aber auch der Erinnerung an Johannes Brahms’ kurz zuvor verstorbenen Mutter: Das Trio in Es-Dur (1865) ist für Naturhorn geschrieben und in dieser Besetzung das erste seiner Art. Gut möglich, dass das Werk als Retrospektive des trauernden Sohnes, schwankend zwischen süss-wehmütiger Sehnsucht und tiefster Trauer, verstanden werden darf − pendeln doch alle vier Sätze zwischen hell strahlendem Es-Dur und der matt-traurigen Tonart es-Moll. Am stärksten ist dies im 3. Satz, Adagio mesto, einem Klagelied des äussersten Schmerzes, zu spüren. Erst das Finalebietet Erlösung: Violine und Horn scheinen sich immer wieder mit Weckrufen vom Rückfall in die Trauer abzuhalten – am Schluss siegt das Strahlen über die Finsternis. Ein Zufall, dass viele hier Anklänge an die Kreisleriana des geistigen Vaters hören?

 

(Teresa Cäcilia Ramming)