Sonntag  20.06.2021
Matinée

Tickets CHF 35

Studenten CHF 15

 

info@erstklassik.ch

041 660 91 18 (Di, Mi, Fr)

Ensemble

Oboentrio

Heinz Holliger, Oboe

Andrea Bischoff, Oboe/Englischhorn

Marie-Lise Schüpbach, Englischhorn

Alice Belugou, Harfe

Dmitry Smirnov, Violine

Konzertprogramm

Ludwig van Beethoven

Variationen über ein Schweizer Lied in F-Dur für Harfe Solo (über „Es hät e Buur es Töchterli“)

Camille Saint-Saëns

Fantaisie op. 124 für Violine und Harfe

Niccolò Paganini

aus Caprices für Solo-Violine 

Antonio Pasculli

"Omaggio a Bellini“ für Englischhorn und Harfe 

Ludwig van Beethoven

Trio für 2 Oboen und Englischhorn op. 87 

  

HEINZ HOLLIGER, Oboist, Komponist und Dirigent, ist einer der vielseitigsten und international gefragtesten Musiker unserer Zeit. 

 

ANDREA BISCHOFF (Oboe/Englischhorn) studierte bei Louise Pellerin in Zürich und anschliessend bei Heinz Holliger an der Musikhochschule in Freiburg i. Breisgau. Seit 1997 ist sie Solo Oboistin im Luzerner Sinfonieorchester. Daneben ist sie begeisterte Kammermusikerin sowohl auf modernen wie auf historischen Instrumenten. 

 

MARIE-LISE SCHÜPBACH (Englischhorn) studierte in Zürich und bei Heinz Holliger in Freiburg i.Breisgau. Von 1979 bis 2017 war sie Solo-Englischhornistin und Oboistin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. 2008 gründete sie gemeinsam mit Karin Löffler unser Festival.

 

ALICE BELUGOU studierte Harfe, Klavier und Musikwissenschaft in Paris. 2015 schloss sie den Master mit Auszeichnung an der Haute Ecole de Musique de Lausanne ab. Sie nahm an verschiedenen Festivals Europas als Solistin, Kammermusikerin und Orchestermusikerin teil und gewann 2018 den zweiten Preis beim DHF world harp competition. Alice Belugou unterrichtet Harfe an der Musikschule Sarnen.

 

Der Geiger DMITRY SMIRNOV wurde 1994 in St. Petersburg geboren. Er schloss sein Grundstudium bereits 2001 in der Rimsky Korsakov Spezialschule des Staatlichen Konservatoriums St. Petersburg ab und bildete sich dann an den Hochschulen in Lausanne und Basel fort. Der mehrfache Preisträger debütierte u.a. in der Carnegie Hall New York, der Wigmore Hall London, der Nikkei Hall Tokyo, im Konzerthaus Berlin. 

ZU DEN WERKEN

Der heute kaum bekannte Komponist, Musikpädagoge und -händler Hans Georg Nägeli galt seinerzeit als wahres pianistisches Wunderkind. Bekannt wurde er aber vor allem durch seinen Einsatz für das schweizerische Chorwesen, das er ganz im Sinne der pädagogischen Richtlinien seines Freundes Johann Heinrich Pestalozzi aufbaute: Hierfür komponierte er regelmässig und schrieb mehrere pädagogische Werke über Stimme und Gesang. Noch weniger bekannt ist sein Werk abseits des Gesangs, wie das Duo Nr. 1 Es-Dur für 2 Harfen, das erst 1978 veröffentlicht wurde.

 

Nägeli war übrigens in regelmässigem Briefaustausch mit mehreren Berühmtheiten jener Tage, wie Franz Schubert, E. T. A. Hoffmann oder auch Ludwig van Beethoven, der seinem Freund und „Sängervater“ in seinen Variationen über ein Schweizer Lied WoO 64 für Harfe oder Klavier ein musikalisches Denkmal setzte. In sechs kurzen Variationen wird hier Nägelis Lied „Es hätt e Buur es Töchterli“ bearbeitet. Die Variationen scheinen wie für den Klavierunterricht gemacht – eventuell auch eine musikalische Hommage Beethovens an Nägelis Einsatz für die Musikpädagogik?

Am 16. Dezember dieses Jahres ist es genau 100 Jahre her, seit Camille Saint-Saëns gestorben ist. Die meisten denken bei seinem Namen wohl an seinen Karneval der Tiere. Sein Spätwerk versprüht jedoch eine ganz andere Aura, hier ist der Pariser Impressionismus der Jahrhundertwende spürbar, hier fühlt man sich auch mal an seine Schüler Maurice Ravel oder Gabriel Fauré erinnert – oder in der Fantaisie für Violine und Harfe an Claude Debussy. Das Werk wurde den damals sehr bekannten Schwestern Marianne und Clara Eissler auf den Leib – oder besser: in die Hände komponiert − ein impressionistisch angehauchtes Spätwerk Saint-Saëns’ für das virtuose Musizieren „en famille“…

Die musikalische Tour d’Europe führt uns nun nach Italien, der Heimat des Belcanto und des Violinvirtuosen und „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini. Ganz anders als bei Beethovens Variationen begegnen wir bei den Caprices für Violine solo einem der technisch wohl anspruchsvollsten Kompositionen überhaupt, die der Komponist all jenen Mutigen widmet, die sich an das Werk herantrauen: „Dedicati agli artisti“ steht prominent auf dem Titelblatt. Entstanden sind die insgesamt 24 Caprices über den Zeitraum zwischen 1802 und 1817. Jedes dieser kurzen musikalischen Wunderstücke fördert eine andere technische Zauberei zutage, vom virtuosesten Springen über alle vier Saiten – natürlich durchsetzt mit zahlreichen Doppelgriffen –  in Nr. 1, über oktavierte Triller durch alle Lagen im Legato (Nr. 3) bis hin zu höllisch schnellen Arpeggio-Passagen und Pizzicato der linken Hand in der berühmt-berüchtigten Caprice Nr. 24. Arpeggio – also „harfenartig“ soll die Geige hier klingen:

 

Und damit schliesst sich der Bogen zu einer virtuosen Hommage ganz anderer Art, Antonio Pascullis Omaggio a Bellini für Englischhorn und Harfe. Pasculli war nichts weniger als Paganinis Pendant auf der Oboe, ein europaweit bekannter Virtuose, der zu einer Zeit, als die Oboe in Italien gerade das absolute Modeinstrument war, etliche, wortwörtlich atemberaubende Fantasien über berühmte Opernmelodien Donizettis, Verdis, Rossinis – oder eben: Bellinis − komponierte. Auch hier spielt Musikpädagogik eine wichtige Rolle: Neben zahlreichen Etüden kennen wir von Pasculli auch eine dreiteilige Oboenschule. 

Ganz im Sinne des Mottos enden wir mit der Familie der Holzbläser und einem der anspruchsvollsten Werke für zwei Oboen und Englischhorn: Ludwig van Beethovens Trio C-Dur op. 87. Entstanden ist es für die damals in Wien sehr berühmten Brüder Johann, Philipp und Franz Teimer, die mit ihrem Auftritten zu Dritt beträchtlich zur großen Beliebtheit von Holzbläsertrios beitrugen. Das Werk erinnert stilistisch stark an Beethovens 2. Sinfonie, so ist das Hauptthema des 1. Satzes engstens verwandt mit dem Seitenthema des Kopfsatzes der Sinfonie und bleibt so auch thematisch-musikalisch durchaus „en famille“…

 

(Teresa Cäcilia Ramming)