Sonntag 30.08.2020
Matinée

Konzert ohne Pause. Dauer ca. 75 Minuten

Tickets CHF 35

Studenten CHF 15

Festivalpass CHF 100

Nutzen Sie bitte den Vorverkauf

oder info@erstklassik.ch

T 041 660 91 18

Konzertkasse 10:00

Konzertprogramm

Antonín Dvořák

Aus "Die Zypressen" für Streichquartett, o.op., B 152

Joseph Haydn

Streichquartett D-Dur, op. 64,5; Hob. III: 63 "Lerchen-Quartett"

Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 6 F-Dur "Pastorale" für Streichsextett

    

Julita Smoleń . Violine

David van Dijk . Violine

Benedict Hames . Viola

Alice Weber . Viola

Katharina Jäckle . Violoncello

Samuel Lutzker . Violoncello

 

Unser Spaziergang durch die Natur beginnt beim »Zypressen-Quartett«, das uns auf eine Reise in vergangene Jugend und eine unerfüllte Liebe entführt: Es war im Sommer 1865, ganz zu Beginn seiner kompositorischen Laufbahn, als der 24-jährige Antonín Dvořák einen ersten Liederzyklus auf der Grundlage von 18 Gedichten unter dem Titel »Zypressen« schuf. Die darin vertonten Texte stammen aus der Feder seines tschechischen Landsmanns, des Dichters Gustav Pfleger-Moravský; und ein zartester Hauch patriotischer Begeisterung schwingt denn auch in der Musik mit. Inspiration – oder besser: Anlass für die Komposition war die Begegnung mit der anmutigen jungen Schauspielerin Josefine Čermák. Zu einer wirklichen Romanze zwischen den beiden kam es nicht – indes heiratete Dvořák später Josefines jüngere Schwester Anna und blieb so zumindest als Schwager seiner Jugendliebe verbunden. Die unerfüllte Liebe zu Josefine scheint den Künstler so nachhaltig geprägt zu haben, dass er in Erinnerung daran Ende der 1880er-Jahre, also über 20 Jahre nach Komposition des Liederzyklus »Zypressen«, die intim-lyrischen, melancholisch-sehnsuchtsvollen Lieder für Streichquartett-Besetzung einrichtete. Unser Pfad durch die klingende Natur ist gesäumt von fünf der insgesamt 12 Dvořák’schen »Zypressen«: Fünfmal begegnen wir einer Klangminiatur, die zwar für Streichquartett gesetzt ist, aber durch die klare Zuteilung der Melodie auf jeweils nur ein Melodieinstrument mit schlichter Begleitung durch die anderen drei auf ihren wahren Ursprung hinweisen: Schlichte Lieder (nun ohne Worte) eines von Liebessehnsucht geplagten Herzen.

Der von Zypressen gesäumte Pfad führt uns aus der sehnsuchtsvollen Frühzeit eines jungen Komponisten weiter in einen morgenlichtdurchfluteten, wohl von Menschenhand symmetrisch angelegten Wald der Wiener Klassik. Im Quartett in D-Dur, op. 64 Nr. 5 von Joseph Haydn hören wir zuallererst in den Mittelstimmen sanfte Hornquinten, die schon bald von Vogelgezwitscher durchbrochen werden: Eine Lerche singt. Zwar stammt der Beiname »Lerchen-Quartett« (wie übrigens alle Benennungen Haydn’scher Werke) keinesfalls vom Komponisten selbst, doch das Londoner Publikum erkannte im Jubelgesang der 1. Geige des von Haydn 1790 mitgebrachten Wiener Streichquartetts sogleich den Lerchenruf und bedachte das Werk mit dem programmatischen Titel »The Lark«. Die Waldidylle bleibt uns im Adagio noch kurz erhalten, bevor dann im Menuett des 3. Satzes auf einer Waldlichtung Volksmusik erklingt – ein ländlicher, eher derb anmutender Bauerntanz, so könnte man die an Stampfen erinnernden Vorschläge interpretieren. Das Finale, ein Presto in halsbrecherischer Geschwindigkeit, scheint uns – freilich augenzwinkernd – zuzurufen: Schnell weg hier, zurück in die Stille der Natur! Ein echt klassisches Kehraus-Finale à la Haydn eben.

Zurück in der Natur empfangen uns im 1. Satz der für Streichsextett gesetzten 6. Sinfonie »Pastorale« laut Satzbezeichnung »heitere Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande«. Diese ländliche Idylle erklingt in der Pastoral-Tonart schlechthin: F-Dur. Die »Pastorale« ist ein lyrisches Tongemälde mit fünf (statt der klassischen vier) Sätzen bzw. Szenen, das Ludwig van Beethoven innerhalb nur eines Jahres (Sommer 1807 bis Sommer 1808) geschaffen hat. Nach Ankunft kommen wir im 2. Satz zu einer »Szene am Bach« – und wie schon bei Haydn, nun aber am Ende des Satzes, erklingen Vogelstimmen: Nachtigall, Wachtel und Kuckuck. Und »Papa Haydn« scheint denn auch dabei zu sein, als es im 3. Satz erneut zu einer zum Volkstanz aufspielenden Kapelle geht (»Lustiges Beisammensein der Landleute«). Im 4. Satz bricht nun das bereits während dem Tanz durch erste Regentropfen angekündigte Unwetter aus – übrigens die erste Gewitterszene in der Geschichte der Sinfonie. Trotz aller Heftigkeit zieht der Sturm schliesslich ab, ein erster Sonnenstrahl bricht zum Ende des 4. Satzes durch die Wolken. »Frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm« umfangen uns, die pastorale Idylle kehrt zurück. Damit schliesst sich denn auch der Bogen: Es erscheint die Silhouette einer Hirtengestalt, die uns kurz von der anderen Seite des Feldes zuwinkt, bevor sie sich auf dem (vielleicht von Zypressen gesäumten) Pfad langsam entfernt…

(Teresa Cäcilia Ramming)

Die weiteren Konzerte:

Unerhört

1.9.2020, 19:30

Aula Cher

Sarnen

Unter Freunden

3.9.2020, 19:30

Aula Cher

Sarnen

erstKlassik am Sarnersee

Kammermusikfestival 29.08. - 03.09.2020