Samstag
18.06.2022
ENGELBERG

RAFFINESSEN

Kammermusikfestival

07.–19.06.2022

Arcis Saxophon Quartett

Claus Hierluksch, Sopransaxophon

Ricarda Fuss, Altsaxophon

Edoardo Zotti, Tenorsaxophon

Jure Knez, Baritonsaxophon

Tickets CHF 35

Bis 18 J. freier Eintritt

Studierende CHF 15

info@erstklassik.ch

041 660 91 18 (Fr)

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Foto Harald Hoffmann

Konzertprogramm
American Dreams

Endlos bezaubernde Prärielandschaften, der aufregende Puls der Stadt, die niemals schläft, das „swingende“ Südstaatenleben, Geschichten voller Träume, Hoffnungen und Liebe:

In "American Dreams" präsentiert das Quartett die ganze musikalische Bandbreite des American Way of Life – und nimmt das Publikum mit auf einen einzigartigen musikalischen Streifzug durch das grosse, weite Amerika. 

Antonín Dvořák (1841-1904) 

Streichquartett Nr. 12 „Amerikanisches“ / Arr. Arcis Saxophon Quartett

 

Jacob Ter Veldhuis (*1951) 

Jesus is coming 

Leonard Bernstein (1918-1990) 

West Side Story Suite / Arr. ASQ 

Samuel Barber (1910-1981)

Adagio for Strings / Arr. ASQ 

George Gershwin (1898-1937) 

„Porgy and Bess“-Suite / Arr. Sylvain Dedenon 

 

Arcis Saxophon Quartett

Claus Hierluksch (Sopransaxophon)
Ricarda Fuss (Altsaxophon)
Edoardo Zotti (Tenorsaxophon)
Jure Knez (Baritonsaxophon)
 

„Ein Super-Ensemble, das "noch brennt", innovativ und wild  aufs  hochqualitative  Musizieren ist.“  (Enjott Schneider)

Mit brennender Leidenschaft begeistern die vier jungen Musiker aus München das Publikum und lassen durch ihre charismatische und authentische Bühnenpräsenz in dieser seltenen Formation der Kammermusik den Funken aufs Publikum überspringen.

In hochprofessioneller Feinarbeit loten sie das Verhältnis von individueller Aussagekraft und kammermusikalischer Verwobenheit aus. Sie entwickeln dabei eine Spielfreude und eine Tiefe von Ausdruck, die den Zuhörer bannt. Diese kommunikative Bereitschaft und Fähigkeit aufeinander zu hören, lässt das Ensemble gleichsam „una voce“ musikalisch sprechen. Der Effekt ist eine klangliche und musikalische Tiefenwirkung, die das gesamte Farbspektrum des Saxophons aufleuchten lässt.

Im März 2013 erschien ihre erste CD „Arcis Saxophon Quartett spielt Enjott Schneider“ bei Ambiente Audio. In Kooperation mit dem bekannten deutschen Filmkomponisten und Professor für Filmmusik Enjott Schneider nahmen sie dessen saxophonistisches Gesamtwerk auf. Im April 2017 folgte ihre CD „Rasch“ bei Genuin.

Das Jahr 2013 war geprägt von wichtigen internationalen Erfolgen: Erste Preise erspielten sie sich beim Musikwettbewerb des Kulturkreises Gasteig e.V. (München; zusätzlich Publikumspreis), beim Internationalen Musikwettbewerb Concorso Argento(Italien), beim First Classical Music International Internet-Festival „Chance Music“ (Russland). Einen dritten Preis erhielten sie beim 13. Internationalen Chieri Musikwettbewerb (Italien). Im Jahr 2014 folgte ein zweiter Preis beim Kammermusikwettbewerb der Alice-Samter-Stiftung (Berlin) und 2015 ein erster Preis beim 4th international Contest – Festival of Chamber Ensemble Performance named after T.A. Gaidamovich in Magnitogorsk (Russland). 2016 kam ein erster Preis beim 1. Rising Stars Grand Prix 2016 – International Music Competition Berlin dazu.

Ausserdem wurde das Ensemble mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2016 ausgezeichnet und erhielt ein Stipendium der Theodor-Rogler-Stiftung, ein Stipendium für Musik der Landeshauptstadt München sowie ein Stipendium der Erika und Georg Dietrich Stiftung.

Das Ensemble gründete sich 2009 an der Hochschule für Musik und Theater München und studierte Kammermusik in der Klasse des Artemis Quartetts an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule für Musik und Theater München bei Koryun Asatryan und Prof. Friedemann Berger. Seit 2015 ist das Arcis Saxophon Quartett ein Ensemble der European Chamber Music Academy (ECMA, u.a. Prof. Hatto Beyerle, Prof. Johannes Meissl).

Unterstützung erhalten sie von Yehudi Menuhin Live Music Now und den PE-Förderungen für Studierende der Musik e.V..

 

Neben ihrer Konzerttätigkeit in Deutschland und Europa (Philharmonie München, Philharmonie Berlin, Wigmore Hall London etc.) führten das Quartett Konzertreisen nach China, Russland, Saudi-Arabien, Bahrain, Algerien, Marokko, Ecuador und in die USA. 

Zu den Werken

 

Ein traumhafterer Auftakt als Dvořáks 1893 komponiertes 12. Streichquartett F-Dur ist schwer möglich. Das Werk ist erst das zweite, das Dvořák während seinem dreijährigen Aufenthalt in den Staaten fertigstellen sollte – kurz vorher, im Mai dieses Jahres, hatte er seine grosse 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ zu Ende gebracht. Wie nah sich die beiden Werke stehen, zeigt aber längst nicht nur der enge zeitliche Zusammenhang, sondern vor allem ihre thematisch-melodische Klarheit und Einfachheit: Ob es sich nun um eine Anlehnung an die Volksmusik der Ureinwohner Amerikas handelt oder nicht ‒ sicher ist, dass die vier Instrumente eine Sphäre schaffen, die unvermittelt zu Assoziationen und Bildern führt. So vermag schon der Kopfsatz, der sich grösstenteils auf das melodiös-ländliche Hauptthema stützt, ein Bild von friedvoll-einsamen Prärielandschaften Iowas hervorzurufen – und tatsächlich ist das Werk in Spillville entstanden. Der langsame Satz, ein äusserst sehnsuchtsvoller, süssmelancholischer Gesang, der zwischen den Protagonisten hin- und herwandert, wird gefolgt von einem nur auf einem Thema beruhenden Scherzo im ¾-Takt, der an eine freudig-bunte Tanzszene denken lässt. Im Rondofinale schliesslich treten gleich drei Themen auf, wobei das Hauptthema sich nach und nach seinen Raum zurückerobert. Unter die Reinschrift des Werks schrieb der Komponist nach Vollendung: „Gott sei’s gedankt. Ich bin zufrieden. Es ist schnell gegangen.“

Jesus is coming. Das 2003 entstandene Werk gehört zu der vom Komponisten so genannten Boombox-Music, in welcher der 1951 geborene Jacob Ter Veldhuis Live-Musik von Instrumentalisten mit aufgezeichnetem Tonmaterial mischt. In Jesus is coming begegnen uns so etwa das zufriedene Glucksen eines glücklichen Säuglings, das aber mit der Rede eines TV-Predigers konfrontiert wird, später noch durchmischt mit einem Kinderchor. Die Collage ist dabei so zusammengeschnitten, dass die Sprach- und Lautfetzen den Pop-Rhythmus für das Saxophon-Quartett vorgeben. 

Bernsteins Westside Story – ein „American Dream“? Das passt nur auf den ersten Blick, wird im Musical doch die gesellschaftliche Problematik der Bandenkriege thematisiert. Nicht jedem gelang der Aufstieg „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Bernsteins musikalische Umsetzung des Kriegs zwischen den einheimischen „Jets“ und den puerto-ricanischen Immigranten, den „Sharks“ rund um das Liebespaar Tony und Maria basiert auf verschiedensten Stilelementen – so werden die Jets etwa durch Anleihen an den Jazz, die Sharks durch lateinamerikanische Tanzrhythmen präsentiert; die Verbindung des Liebespaars Tony und Maria zeigt sich schliesslich in der musikalischen Verbindung dieser Stilelemente. Dass der amerikanische Liebestraum à la Shakespeare kein gutes Ende nahm, ist allgemein bekannt…

Und wie als Grabgesang für das bikulturelle Paar Tony und Maria erklingt nun Samuel Barbers Adagio for Strings. Das bereits in zahlreichen Filmen und Serien eingesetzte Werk entstand Ende der 1930er-Jahre und wurde ursprünglich als langsamer 2. Satz von Barbers Streichquartett op. 11 komponiert, später für Streichorchester umgearbeitet und schliesslich zusätzlich als Agnus Dei für Chor gesetzt. Allein diese Umarbeitungen zeigen schon, dass Barber mit diesem höchst dramatisch-melancholischen Satz ein Werk schuf, das vielfältig einsetzbar ist – nicht nur für die imaginäre Bestattung des fiktiven Liebespaares, sondern tatsächlich bei den Trauerfeiern der US-amerikanischen Staatsoberhäuptern Roosevelt und J. F. Kennedy. Ein Abgesang auf den „American Dream“?

Auch mehrere Titel aus George Gershwins „Porgy and Bess“-Suite auf der Grundlage der gleichnamigen, 1935 uraufgeführten Oper haben wahren Hit-Charakter entwickelt – man denke etwa an Summertime oder I loves You, Porgy. Das Werk spielt in South Carolina, genauer in der fiktiven, vorwiegend von Afroamerikanern bewohnten Catfish Row. Der Traum vom Süden des in den Grossstadtschluchten aufgewachsenen Komponisten manifestiert sich in Anleihen an Spiritual, Blues, Jazz und Swing – und bleibt eben doch vor allem eines: fiktiv.

Teresa Cäcilia Ramming