Sonntag
19.06.2022
MATINÉE

Arcis Saxophon Quartett

Claus Hierluksch, Sopransaxophon

Ricarda Fuss, Altsaxophon

Edoardo Zotti, Tenorsaxophon

Jure Knez, Baritonsaxophon

RAFFINESSEN

Kammermusikfestival

07.–19.06.2022

Tickets CHF 38

Bis 18 Jahre freier Eintritt

Studierende CHF 18

inklusive Apéro nach Konzert

info@erstklassik.ch

041 660 91 18 (Fr 9-16)

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Foto Harald Hoffmann

Konzertprogramm
Ferenc Farkas (1905-2000)

Alte ungarische Tänze 

 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) 

Preludes and Fugues, op. 87 / Arr. ASQ 

Nikolai Kapustin (1937-2020) 

24 Preludes and Fugues, op.82 / Arr. ASQ 

Erwin Schulhoff (1894-1942)

5 Stücke für Streichquartett / Arr. ASQ 

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) 

Divertimento in F-Dur, KV 138 / Arr. ASQ 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) 

Jazz-Suite Nr. 1 / Arr. ASQ 

George Gershwin (1898-1937) 

„Porgy and Bess“-Suite / Arr. Sylvain Dedenon 

Arcis Saxophon Quartett

Claus Hierluksch (Sopransaxophon)
Ricarda Fuss (Altsaxophon)
Edoardo Zotti (Tenorsaxophon)
Jure Knez (Baritonsaxophon)
 

„Ein Super-Ensemble, das "noch brennt", innovativ und wild  aufs  hochqualitative  Musizieren ist.“  (Enjott Schneider)

Mit brennender Leidenschaft begeistern die vier jungen Musiker aus München das Publikum und lassen durch ihre charismatische und authentische Bühnenpräsenz in dieser seltenen Formation der Kammermusik den Funken aufs Publikum überspringen.

In hochprofessioneller Feinarbeit loten sie das Verhältnis von individueller Aussagekraft und kammermusikalischer Verwobenheit aus. Sie entwickeln dabei eine Spielfreude und eine Tiefe von Ausdruck, die den Zuhörer bannt. Diese kommunikative Bereitschaft und Fähigkeit aufeinander zu hören, lässt das Ensemble gleichsam „una voce“ musikalisch sprechen. Der Effekt ist eine klangliche und musikalische Tiefenwirkung, die das gesamte Farbspektrum des Saxophons aufleuchten lässt.

Im März 2013 erschien ihre erste CD „Arcis Saxophon Quartett spielt Enjott Schneider“ bei Ambiente Audio. In Kooperation mit dem bekannten deutschen Filmkomponisten und Professor für Filmmusik Enjott Schneider nahmen sie dessen saxophonistisches Gesamtwerk auf. Im April 2017 folgte ihre CD „Rasch“ bei Genuin.

Das Jahr 2013 war geprägt von wichtigen internationalen Erfolgen: Erste Preise erspielten sie sich beim Musikwettbewerb des Kulturkreises Gasteig e.V. (München; zusätzlich Publikumspreis), beim Internationalen Musikwettbewerb Concorso Argento(Italien), beim First Classical Music International Internet-Festival „Chance Music“ (Russland). Einen dritten Preis erhielten sie beim 13. Internationalen Chieri Musikwettbewerb (Italien). Im Jahr 2014 folgte ein zweiter Preis beim Kammermusikwettbewerb der Alice-Samter-Stiftung (Berlin) und 2015 ein erster Preis beim 4th international Contest – Festival of Chamber Ensemble Performance named after T.A. Gaidamovich in Magnitogorsk (Russland). 2016 kam ein erster Preis beim 1. Rising Stars Grand Prix 2016 – International Music Competition Berlin dazu.

Ausserdem wurde das Ensemble mit dem Bayerischen Kunstförderpreis 2016 ausgezeichnet und erhielt ein Stipendium der Theodor-Rogler-Stiftung, ein Stipendium für Musik der Landeshauptstadt München sowie ein Stipendium der Erika und Georg Dietrich Stiftung.

Das Ensemble gründete sich 2009 an der Hochschule für Musik und Theater München und studierte Kammermusik in der Klasse des Artemis Quartetts an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule für Musik und Theater München bei Koryun Asatryan und Prof. Friedemann Berger. Seit 2015 ist das Arcis Saxophon Quartett ein Ensemble der European Chamber Music Academy (ECMA, u.a. Prof. Hatto Beyerle, Prof. Johannes Meissl).

Unterstützung erhalten sie von Yehudi Menuhin Live Music Now und den PE-Förderungen für Studierende der Musik e.V..

 

Neben ihrer Konzerttätigkeit in Deutschland und Europa (Philharmonie München, Philharmonie Berlin, Wigmore Hall London etc.) führten das Quartett Konzertreisen nach China, Russland, Saudi-Arabien, Bahrain, Algerien, Marokko, Ecuador und in die USA. 

Zu den Werken

 

Der 1905 geborene Ferenc Farkas lässt in seinen Alten ungarischen Tänzen das 17. Jahrhundert mit den barocken Formen aufleben: Es ist eine Suite mit fünf Tanzsätzen, die ganz traditionell mit einer „Intrada“ eröffnet wird. Dass das Werk erst 1953 in der Holzbläserfassung, 1987 dann für Blechbläser entstanden ist, mag das heutige Publikum überraschen: Es handelt sich keineswegs um eine moderne Auseinandersetzung mit historischen Formen, sondern um einen Rückgriff in die Musikgeschichte, einen Blick in die Historie Ungarns im tiefsten Barock: Da vermag auch die Besetzung für Saxophon kaum etwas daran zu ändern.

Auch Dimitri Schostakowitschs Preludes and Fugues op. 87, entstanden in den Jahren 1950/51 in Moskau, referieren auf barocke Formen. Das Werk lehnt sich mit seinen insgesamt 24 Sätzen klar an Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier an, ist dementsprechend auch ursprünglich für Soloklavier konzipiert. Auch die strikt organisierte Anlage ist eine Reminiszenz an Bach, so orientieren sich alle Stücke am Quintenzirkel: Auf C-Dur folgt ein Stück in a-Moll, gefolgt von G-Dur, e-Moll usw., bis schliesslich mit einer expressiv-fulminanten Doppelfuge in d-Moll der Quintenzirkel geschlossen ist. Dass Schostakowitsch tonal aber keineswegs am Vorbild haften bleiben will, wird rasch hörbar: Solch dissonante Reibungen wären bei Bach unvorstellbar. 

Tonal noch weiter weg von Bach, aber doch in klarer Auseinandersetzung mit dem Wohltemperierten Klavier sind die 24 Preludes and Fugues op. 82 des 2020 verstorbenen ukrainischen Komponisten Nikolai Kapustin. Auch hier wird die strikte Orientierung am Quintenzirkel beibehalten, harmonisch-melodisch aber dem Jazz angenähert. Damit darf das Werk als durchaus typisch für das Gesamtoeuvre Kapustins bezeichnet werden: Von ihm kennen wir zahlreiche Jazz-Werke, die historisch-traditionelle Formen und Gattungen zur Grundlage nehmen.

Mit Erwin Schulhoffs 5 Stücken für Streichquartett bzw. hier für Saxophonquartett sind wir zurück beim Tanz, was spätestens nach einigen wenigen Takten im typischen Wiener Walzerrhythmus klar wird. Mag die Harmonik dabei noch so modern klingen ‒ Form und Rhythmus lassen keinen Zweifel zu. Das Werk sollte Schulhoff 1924 zum Durchbruch verhelfen, zu einer Zeit, wo er als jüdischer Komponist mit kommunistischem Hintergrund sich noch frei entfalten konnte. Schulhoff wurde im Juni 1941 auf die Wülzburg bei Weissenburg deportiert, wo er im August des folgenden Jahres an Tuberkulose starb.

Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento F-Dur KV 138 entstand 1772 kurz nach seiner Rückkehr aus Italien für Fürsterzbischof Graf Colloredo in Salzburg. Dass der italienische Stil ihn stark beeindruckt hatte, zeigt bereits der erste Satz, der sich an eine Opernarie anzulehnen scheint. Auch die Dreisätzigkeit (schnell-langsam-schnell) weist auf die italienische Oper und ihre so gestaltete Eröffnungs-„Sinfonia“ zurück. Der 2. Satz, „Andante“, bestätigt den engen Zusammenhang mit der Oper: Fast kann man hier einen Kastraten singen hören. Mit dem Finale, einem ausgelassenen Tanzsatz, scheint der damals erst 16-Jährige die Hörerschaft wieder zurück an den Hof mit ihren Zeremonien zu holen.

Wieder Schostakowitsch: Die Jazzsuite Nr. 1 entstand 1934 als Auftrag der Jazz-Kommission der Sowjetunion. Mit der Abfolge Walzer-Polka-Foxtrott  begegnet uns zwar eine Abfolge von Tänzen, die so aber mit der traditionellen Suite nicht mehr viel gemein hat. Auch der Titel Jazzsuite ist irreführend: Jazz-Anleihen sucht man vergebens, vielmehr scheint der Komponist ironisch auf die Dekadenz der 1920er-Jahre anzuspielen.

Einige der Titel aus der „Porgy and Bess“-Suite George Gershwins haben wahren Hit-Charakter entwickelt – man denke etwa an Summertime oder I Loves You, Porgy. Die gleichnamige Oper von 1935 spielt in South Carolina. Der Traum vom Süden des in Grossstadtschluchten aufgewachsenen Komponisten manifestiert sich in Anleihen an Spiritual, Blues, Jazz und Swing – und bleibt eben doch vor allem eines: fiktiv.

Teresa Cäcilia Ramming