Sonntag 01.09.2019
Wanderkonzert

15.00 Uhr

Konzert Kapelle Flüeli

17.00 Uhr

Zweites Konzert

Museum Bruder Klaus Sachseln

Kollekte,

kein Vorverkauf

Auch unser 12. Kammermusikfestival starten wir wieder mit einem „Wanderkonzert“.

Nach einem ersten Konzert in der Kapelle Flüeli (Anreise am besten zu Fuss oder mit dem Postauto ab Sachseln) führt uns der Weg vom Flüeli nach Sachseln. Im Museum Bruder Klaus in Sachseln erklingt der zweite Konzertteil mit dem Oboentrio Heinz Holliger.

Anschliessend sind die Konzertgäste sehr herzlich zum Apéro im Museum Bruder Klaus eingeladen.

Postauto 14:36 Uhr

ab Bahnhof Sachseln

Mögliche Rückfahrt 16:09 ab Flüeli

Konzertprogramme

 

Flüeli-Kapelle, 15 Uhr

 

Hildegard von Bingen (1098-1179): O ignee spiritus

Johann S. Bach  (1685-1750): Cellosuite Nr. 2 d-Moll BWV 1008

Hildegard von Binge: Item de virginibus

Johann S. Bach: Sonate für Violine Nr. 1 g-Moll

Hildegard von Bingen: Spiritus sanctus vivificans vita

W.A. Mozart: Duo für Violine und Viola G-Dur KV 423

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David van Dijk . Violine

Alice Weber . Viola

Sam Lutzker . Violoncello

 

Dauer ca. 50 Min.

Wanderung oder Postauto nach Sachseln

Museum Bruder Klaus Sachseln, 17 Uhr

 

Oboentrio Heinz Holliger

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Variationen über „La ci darem la mano“ aus Mozarts Oper Don Giovanni für 2 Oboen und Englischhorn. 

 

Benjamin Britten (1913-1976)

Aus 6 Metamorphosen nach Ovid für Oboe solo op. 49

„Pan, Niobe, Narcissus, Arethusa“

 

Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784)

Duett Nr. 4 F-Dur für 2 Oboen

 

Ruth Crawford-Seeger (1901-1953)

„Diaphonic Suite“ für Oboe Solo 

 

Anton Wranitzky (1761-1820)

Trio C-Dur für 2 Oboen und Englischhorn. 

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Dauer ca. 45 Min.

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Heinz Holliger . Oboe

Andrea Bischoff . Oboe

Marie-Lise Schüpbach . Oboe/Englischhorn

ZU DEN WERKEN

 

Wanderkonzert

 

Mit Hildegard von Bingen begeben wir uns auf den Weg der Frauen in der männerdominierten Musikwelt. Sie gilt als eine der ersten Frauen, die mit Musik in die Geschichte eingingen. Vermutlich trat sie 1112 im Jugendalter ins Kloster ein, was den Beginn eines beeindruckenden Lebens markiert: Sie war unter anderem Komponistin, Schriftstellerin, Heilerin, Universalgelehrte, Mystikerin und ‹nebenbei› Äbtissin. Als gläubige Christin schrieb sie ihre Fähigkeiten dabei allein Gott zu. Ihre in mehreren Büchern gesammelten Lieder zeugen von einer grossen Vielfalt an Klang- und Stilmitteln, wie der weite Ambitus und die Betonung wichtiger Passagen durch sehr hohe oder sehr tiefe Töne. Dies ist denn auch in den gregorianischen Gesängen O ignee spiritus, Item de virginibus und Spiritus sanctus vivificans vita hörbar.

In den Barock tauchen wir mit Johann Sebastian Bach ein und erleben die Wichtigkeit des Schaffens der ‹Komponistenfrauen› im Hintergrund. So sind etwa die Abschriften seiner zweiten Frau Anna Magdalena seiner Suiten für Violoncello (1720) und Sonaten für Violine solo (1720er-Jahre), besonders im Falle ersterer, nicht nur bestechend schön ausgeführt, sie gelten auch als die wichtigsten Überlieferungsquellen zu diesen Werken. Besonders zentral ist hierbei Bachs Auslotung der technischen Grenzen der Soloinstrumente, was auch ein Grund dafür sein mag, dass diese Stücke bis heute zum Repertoire der Streicher gehören.

Im Duo für Violine und Viola KV 423 von Wolfgang Amadeus Mozart zeigt sich die Frauengestalt musikalisch nur flüchtig. Um seinem Vater die Nachricht seiner Verlobung mit Constanze Weber zu überbringen, reiste Mozart nach Salzburg, wo er bald von Michael Haydn einen Auftrag erhielt. Er sollte zwei von sechs Stücken für Violine, die der Fürsterzbischof Colloredo Haydn aufgetragen hatte, übernehmen. Mozart, dessen Verhältnis zu Colloredo nicht einfach war, nahm den Auftrag an und baute für Colloredo schwierige Passagen ein. Solche technischen Details, Verzierungen und Figurationen sind auch in KV 423 zu hören.

 

Mit Ludwig van Beethoven beginnt das zweite Konzert zwar zeitlich nah an Mozart, es offenbart sich uns jedoch neues Gelände: Die Variationen über «La ci darem la mano» von 1795 sind von keiner real existierenden Frau beeinflusst. Es geht um den fiktiven Moment, als Don Giovanni aus Mozarts gleichnamiger Oper versucht, Zerlina zu verführen. Von dieser damals als obszön befundenen Thematik sind Beethovens Variationen befreit. Stattdessen erzählen die Oboen und das Englischhorn von Zärtlichkeit, Sehnsucht und aufgeregter Verliebtheit.

Benjamin Britten, der uns in die Mitte des 20. Jahrhundert führt, zeigt, dass der gleichzeitige Einfluss von realen und fiktiven Frauenfiguren möglich ist, wie etwa in seinen 6 Metamorphosen nach Ovid (1951). Hier befinden sich unter den sechs von einer Oboe unterschiedlich dargestellten mythologischen Figuren auch zwei Frauen: Niobe und Arethusa. Indem Britten die Oboistin Joy Boughton zur Widmungs- und damit Symbolträgerin des Werks machte, verlieh er dem Stück zusätzlich weibliche Schaffenskraft.

Das Duett Nr. 4 F-Dur für zwei Flöten von Wilhelm Friedemann Bach steht nur indirekt in Verbindung mit Frauen. Was es auf unsere musikalische Wanderung holt, ist der Einsatz von Oboen. Ihre Stimmen, die sich in diesem Stück umschlingen und gegenseitig kommentieren, sind dank dem vorangegangenen Britten mit der Figur der Frau konnotiert.

Wieder zurück im 20. Jahrhundert begegnen wir der amerikanischen Komponistin Ruth Crawford-Seeger, die von ihrem Mann gelegentlich «Superwoman» genannt wurde. Dass hinter diesem Kosenamen auch eine erfolgreiche Komponistin steckt, bestätigen ihre Werke, die einen wichtigen Bestandteil der amerikanischen Moderne ausmachen, wie unschwer in ihrer Diaphonic Suite für Oboe solo (1930) zu hören ist. Das Werk entstand während ihres Europaaufenthalts 1930/31, der ihr durch den Guggenheim Foundation Award ermöglicht worden war.

Mit dem Trio C-Dur von Anton Wranitzky kommt unsere musikalische Reise zum Ende und wir kehren zurück zum Trio des 18. Jahrhundert. Auch wenn dieses anspruchsvolle, mit Witz und Lieblichkeit durchsetzte Werk von einem Mann stammt, bleibt ein zentraler Aspekt dieses Programmes bestehen: Während wir im ersten Konzert die Wirkung von Frauen in der Musikwelt kennenlernten, erleben wir zum Schluss, dank Britten und Crawford-Seeger, besonders die Oboe als Repräsentantin der zu Unrecht vernachlässigten Protagonistinnen ebendieser Welt.

 

Viviane Nora Brodmann

Die weiteren Konzerte:

Musikalische Begegnung

3.9.2019, 19:30

Aula Cher

Sarnen

Engelberg

7.9.2019, 20:00

Barocksaal Kloster

Engelberg

Lieder mit und

ohne Worte

5.9.2019, 19:30

Altes Gymnasium

Sarnen

Matinée

8.9.2019, 10:30

Altes Gymnasium

Sarnen