Donnerstag
16.06.2022

15.00 Uhr

Kapelle Flüeli

17.00 Uhr

Museum Bruder Klaus Sachseln

WANDERKONZERT

Lara Morger, Mezzosopran

Lisa Anna Gross, Oboe / Englischhorn

Chiara Enderle Samatanga, Violoncello

RAFFINESSEN

Kammermusikfestival

07.–19.06.2022

Kollekte

info@erstklassik.ch

041 660 91 18 (Fr 9-16)

Postauto

ab Bahnhof Sachseln

14.37 Uhr

Wanderung nach Konzert

Flüeli nach Sachseln

Alternativ Postauto

ab Flüeli nach Sachseln

16.08 Uhr

Konzertprogramm

"Alone Together"

Kapelle Flüeli

Werke von Bach, Feldman, Debussy, Glass, Wagner, Scott und Kurtág

Museum Bruder Klaus Sachseln

Werke von Williams, Bauckholt, Couperin, Hammerschmidt, Krieger, Bataille und de Brossard

Lara Morger, Mezzosopran

Die Mezzosopranistin Lara Morger wurde in Sachseln geboren und begann ihre musikalische Ausbildung auf der Violine und dem Fagott, bevor sie sich ganz dem Gesang zuwandte. Heute tritt sie in der Schweiz, in Deutschland, Spanien und Frankreich sowohl in Opernproduktionen als auch konzertant und kammermusikalisch auf.

Lara studierte zunächst Fagott und Barockfagott in Zürich und Leipzig, wo sie auch ihre Gesangsausbildung bei Prof. Jeanette Favaro-Reuter und Marek Rzepka begann. Im Sommer 2020 schloss sie ihren Bachelor in Oper, Konzert und Pädagogik bei Prof. Dorothea Wirtz mit Bestnote ab und begann ihr Masterstudium an der Hochschule der Künste in Bern bei Tanja Baumgartner.

Im Rahmen der Internationalen Bachakademie Stuttgart 2019 besuchte sie Meisterkurse u.a. bei Emma Kirkby, Peter Kooij und James Gilchrist. Weitere Meisterkurse bei Christiane Iven, Ulrike Hofbauer und Ton Koopman haben ihre musikalische Ausbildung erweitert.

In Freiburg debütierte Lara als Diane in Arthur Honeggers «Les Aventures du Roi Pausole» sowie als Ruggiero in Händels «Alcina». 2019 sang sie im Naumburger Dom die Rolle des Joacim in Händels «Susanna» mit der lautten compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner.

Als Stipendiantin der BZM Foundation in Barcelona hat Lara mehrere Konzerte mit Kantaten von J.S. Bach im Bachcelona Festival und im Festival de la Música Antigua de Pirineus gesungen unter anderem unter der Leitung von Shunske Sato. 2022 wird sie Bachs Johannespassion im Palau de la Música in Barcelona unter der Leitung von Xavier Puig singen. Zudem übernimmt sie im Herbst 2022 die Titelrolle des Alessandro in Händels „Alessandro“ in einer Produktion mit der Jungen Deutschen Philharmonie am ETA Hoffmann Theater in Bamberg.

Ihre besondere Leidenschaft für Kammermusik hat Lara zur Mitgründung mehrerer Ensembles geführt. Das trio nushka mit seiner einzigartigen Besetzung – Mezzosopran, Englischhorn und Klavier – beleuchtet das Liedrepertoire von der Spätromantik bis heute aus neuen Perspektiven und widmet sich besonders der Aufführung von Werken von Komponistinnen.
Im Zentrum der Arbeit des Ensembles Tammurriata steht die südamerikanische Barockmusik. Die sechs MusikerInnen nehmen das Publikum in ihren Konzertperformances in Verbindung mit Literatur und bildenden Künsten auf eine künstlerische Entdeckungsreise durch den vielfältigen Kontinent mit.

Lisa Anna Gross, Oboe/Englischhorn

Lisa Anna Gross spielt als Englischhornistin im Aarhus Symfoni Orkester in Dänemark. Geboren und aufgewachsen in der Schweiz, studierte sie bei Louise Pellerin in Zürich und Jean-Louis Capezzali in Lausanne bevor sie 2021 ihr Studium am Conservatoire de Paris bei David Walter mit Auszeichnung abschloss.

 

Mit der Mezzosopranistin Lara Morger und der Pianistin Marion Gross spielt Lisa im trio nushka (www.trionushka.com) und mit der Cellistin Chiara Enderle organisiert sie die Kammermusikreihe „Musik im Morgental“ in Zürich.

 

Neben ihrer regen Konzerttätigkeit unterrichtete sie mit grosser Freude in verschiedenen Musiklagern.

 

 

Chiara Enderle Samatanga, Violoncello

Die Cellistin Chiara Enderle Samatanga wurde 1992 in eine Musikerfamilie in Zürich geboren. Wichtige Impulse erhielt sie von Thomas Grossenbacher, Jens Peter Maintz und Steven Isserlis.

Chiara ist 1. Preisträgerin des Internationalen Lutoslawski-Cellowettbewerbs (Warschau) sowie des Pierre Fournier Awards (London).

Sie tritt regelmässig als Solistin mit namhaften Orchestern wie dem Philharmonia Orchestra (London), dem Beethovenorchester Bonn, dem Tonhalle Orchester Zürich und der Nationalphilharmonie in Warschau auf.

Chiaras erste CD erschien 2016 bei Sony und ihre zweite Aufnahme mit Werken von Ernest Bloch kam 2017 auf den Markt.

Seit 2018 ist Chiara Mitglied des renommierten Carmina Quartetts.

Zu den Werken

„Alone together“ – alleine zusammen, zusammen allein, alle zusammen allein – eine Erfahrung der letzten Jahre, wie auf einer Wanderung, die gemeinsam unternommen wird, wo aber doch jeder seine ganz eigenen Wahrnehmungen und Erinnerungen mit nach Hause bringt. Auch das heutige Konzert ist längst nicht nur Wanderung vom Flüeli nach Sachseln, sondern durch verschiedenste Epochen, Gattungen, Formen und Stile, durch Erinnerungen an Einsamkeit, Sehnsüchte und Hoffnungen, durch das Zurückgeworfensein auf sich selbst. Jedes Werk spricht dabei für sich allein und erzählt seine ganz eigene Entstehungs-, aber auch inhaltliche Geschichte, jedes Werk ist individuell. So hören wir zuerst vier Werke für Soloinstrumente, Bachs 1. Prélude aus der Cellosuite Nr. 4, Morton Feldmans ONLY für Solostimme von 1946, eine Bearbeitung von Claude Debussys Syrinx von 1913 für Englischhorn, ein Stück aus den Songs und Poems von Philip Glass und schliesslich das berühmte Hirtenweise für Englischhorn Solo aus Richard Wagners Musikdrama Tristan und Isolde. Erst mit Cyril Scotts Idyllic Fantasy finden drei Solostimmen zusammen, gehen kurz ein Stück gemeinsam, treten ins Gespräch, bevor jede wieder ihrer eigenen Wege geht –  zurück zur Einsamkeit in Bachs Solosuite Nr. 4, zurück nach Ungarn mit György Kurtágs In Nomina all’ungharese – und die menschliche Stimme verstummt. Das nächste Zusammentreffen funktioniert – wie verabredet trifft man sich beim Museum Bruder Klaus. Die vorsichtige Distanz bleibt aber vorerst, Interaktion nur im Freien, mit genügend Abstand: Vaughan Williams Ten Blake Songs von 1957, wo Oboe und Gesang sich gemeinsam mit William Blakes Songs of Innocence (1789) und Songs of Experience (1794) auseinandersetzen. Es sind Texte über existentielle Fragen des Menschen, der sich mit dem eigenen Bewusstsein und Erleben auseinander setzt, zurückgeworfen auf sich selbst.

Im Keller treffen sich dann kurz Mezzosopran und Violoncello, ergänzt durch Video zu Carola Bauckholts 2012 komponiertem Werk Kohle, Kreide. Das Nicht-Einig-Sein, das Sich-Nicht-Finden, Störungen in der Kommunikation, während auf dem Papier doch was zurückbleibt, wird hier mit allen Sinnen erfahrbar gemacht. Eine Videokonferenz, die zwar funktioniert, aber doch eine schale Einsamkeit zurücklässt?

Die gute, alte Stube wird nun nicht nur zur Begegnungsstätte, sondern erzählt auch gleich von ihrer Geschichte als historisches Symbol des häuslichen Friedens, der Familie und der Gemeinsamkeit: François Couperins Plainte aus seinem Dixième Concert A-Dur bringt Wohlklang, gemeinsame Ziele und wohltuende Gemeinsamkeit. Mit Andreas Hammerschmidts Die Kunst des Küssens aus dem 17. Jahrhundert fällt nun auch die letzte Distanz, die letzte Maske. In dieser Zeit bleiben wir nun auch: Mit den letzten vier Werken wird die Wanderung mit einem Lobgesang auf das nun endlich wieder mögliche Beisammensein, das Musizieren und Singen, das Miteinander-Anstossen gefeiert, bevor dann alle wieder ihre ganz eigenen Wege weitergehen – mit der Hoffnung auf das nächste Wiedersehen! 

Teresa Cäcilia Ramming